Fifteen

Freitag 18|01|2008 19:00

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Ausstellungseröffnung mit Florian Kuhlmann, Tamara Lorenz, Michalis Nicolaides, Kyle Riedel und Andreas Walther

Die soziale Welt ist eine Bühne mit Publikum, Darstellern und Außenseitern, mit Zuschauerraum und Kulissen. Nur wer an seine Rolle glaubt, kann sie glaubwürdig darstellen und weckt das Interesse der Schaulustigen und bestätigt ihre Erwartungshaltung. Dramaturgie und Mystifikation gestalten das Auftreten im öffentlichen wie auch privaten Raum, in dem nicht das Reale und das Authentische, sondern meist nur der Ausdruck des Realen und die Inszenierung von Authentizität gesucht werden.

 

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I don't know what it is
That makes me feel like this
I don't know who you are
But you must be some kind of superstar
'Cause all got their eyes on you
No matter where you are *
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*(Jamelia, 2003)


Ausstellung vom 19.01.-10.02.2008

Florian Kuhlmann www.spectaculartakeoverbattle.de

2007

Präsentation: digitale Malerei auf Monitor Der virtuelle Raum der Medien und die durch unser Gehirn erzeugte Realität ergeben einen synthetischen Raum, in diesem spielt sich das soziale Leben moderner Technogesellschaften ab.Kapital und Sendeanlagen gehen in diesem Spiel seit jeher eine unheilige Allianz ein. Das Kapital kontrolliert die Anlagen und beherrscht damit weitgehend souverän den synthetischen Raum. Zum Trost hat man den einstigen Souverän der Demokratie zum König Kunde gemacht - dabei weiß doch jedes Kind, dass Könige schon lange nichts mehr zu sagen haben. Doch durch die netzbasierten virtuellen Welten öffnet sich nun die glatte und kontrollierte Oberfläche dieser synthetischen Sphäre gegenüber den Massen und es gilt "Dein Avatar wird nun dein Star". Die virtuelle Welt der Medien wird nun zugänglich und es liegt alleine an uns, diesen Raum zu gestalten und ihn den Händen des Spektakels zu entreißen. Natürlich reizt diese Öffnung des Raumes aber diejenigen, welche durch die Kontrolle der Sendemonopole ihre Macht über das Virtuelle und damit über uns ausüben. Im gleichen Maße, wie mit der Entwicklung des Netzes Besitz, Öffentlichkeit und virtueller Raum neu definiert werden, beginnt der Gegenschlag der angegangenen Macht. Der Gegner dieses Schlages sind nun wir. Uns gilt es mit Hilfe von Überwachung per Gesetz und Technologie zu kontrollieren und zu beherrschen, um auch weiterhin das künstlich verknappte Gut vermarkten zu können, über das wir alle eigentlich von Natur aus verfügen.Wie der Esel der Möhren an der Angel, so trotten wir dem Gut hinterher, welches die Technoökomie allein durch permanente Verknappung zu produzieren vorgaukelt und das uns doch schon lange gehört: der Freiheit.

Tamara Lorenz Onesinglesoloshow

2008

Holz/lackiert, schwarze Wimpel

Eine Bühne für ein Spiel mit Gegensätzen. Existentialistisch inkonsequent verfolgt der Auftritt auf einer solchen Bühne Ambivalenz, so ist solo begehrenswert und single auf Dauer vermeintlich vermeidungswürdig. So ist schwarz sexy, cool und auch die Farbe für Trauer. Wimpelketten krönen die Bühne auf naive Art und Weise – wären sie nicht wieder schwarz und dicht an dicht gehängt. Der Bühnenhimmel verdunkelt sich geradezu zu einem heraufziehenden Folterinstrument, diese Bühne ist vielleicht gar ein Schafott. So oder so, hab’ Acht vor der Macht.

Michalis Nicolaides Camera Kill, Fulfilling Elvis

Camera Kill, 2008, Video, Länge 2 Min

"Camera Kill" ist ein Kommentar auf die Zeit nach einem Auftritt. Man sieht zwei Videokameras jeweils auf einem Videomonitor liegend. Sie gucken sich gegenseitig an. Das was sie sehen (d.h. die andere kamera) wird auf dem Monitor unter ihnen wiedergegeben. Nach einer Weile ziehe ich den Stromstecker aus einer der beiden Kameras - ich kille sie praktisch. Das Wunderbare ist, dass ihr Bild bleibt, auf dem Monitor der anderen Kamera noch zu sehen ist - als eine Art Erinnerung?

Fulfilling Elvis, 2007, Video, Länge 1 Stunde 1 Minute 6 Sekunden

Die Elvis-Arbeit dokumentiert den Versuch, die Hinterlassenschaft eines Vorbildes zu füllen, sein Erbgebot auf die eigene Art und Weise zu erfüllen.

 

Andreas Walther Familienportraits

Videoportraitserie seit 2004,
verschiedene Längen um 10 Minuten

In den Portraits von Familien in verschiedenen Ländern zeichnet sich die Einmaligkeit der Atmosphäre in jeder Familie ab, wie auch die Verhältnisse der Individuen zueinander und die Einflüsse der familien-, sozial- und kulturspezifischen Werte und Rollen (auf diese Verhältnisse). Eine von zwei Diskursebenen in den Familienportraits hat deutliche Nähe zu anthropologischen und soziologischen Kontexten; in den Portraits von Familien in verschiedenen Ländern zeichnet sich die Einmaligkeit der Athmosphäre in jeder Familie genauso ab, wie die Unterschiede und Gemeinsamkeiten, die sich innerhalb der Länderkontexte wie auch im internationalen Nebeneinander zeigen. Verhältnisse der Individuen zueinander, Einfluß der familien-, sozial- und kulturspezifischen Werte und Rollen auf diese Verhältnisse der Individuen und so fort. Die zweite Ebene stellt sich dann als zugespitzte Gegenüberstellung intimer und medialer Wirklichkeit dar: einerseits sind da die Familienmitglieder, die in gewohnter Gemeinschaft jedoch unter ungewohnten Bedingungen miteinander sind und kommunizieren, nämlich wortlos und vor einem Spiegel und im Bewußtsein, im Rahmen eines nicht-intimen Kontextes portraitiert zu werden. Andererseits dann Spiegel und Kamera als Repräsentanten eines künstlerischen Kontextes mit seinen Diskursen, Ausstellungs- und Rezeptionspraxis, schließich auch der/die Betrachter, der/die von der - wenigstens scheinbar - portraitierten Intimität eingenommen werden.

Beide Ebenen zusammen führt die Frage nach den Zusammenhängen zwischen Identität und (medial strukturierter) Kommunikation.

 

Kyle Riedel Season Opener (Video)

Touchdown, 2002 (Länge ca. 2:03 Min)
Don't be scared, 2002 (Länge ca. 1:36 Min)

Ein Sprecher kommentiert die Beschäftigung mit einem Football und einem Baseball-Handschuh, deren sportlicher Ehrgeiz nicht zu übersehen ist. Oder "American football and baseball grow some balls".